Zum Inhalt springen
Montag, 04 September 2017 21:41

Zum Doppel-Master nach Schweden

Am Ende meines Bachelorstudiums war für mich klar, dass ich gerne für eine bestimmte Zeit im Ausland studieren möchte. Über meine Fakultät habe ich von der Möglichkeit eines Doppel-Masters erfahren, bei dem man anderthalb Jahre an einer Partneruniversität studiert. Bei mir fiel die Wahl wegen der spannenden Fachrichtung Electrophysics und weil mir das Land und die nordische Mentalität sehr sympathisch waren auf die KTH Stockholm. 

 

Nach einer Menge Papierkram ging es im August 2015 dann los nach Stockholm. Die KTH bietet viele Veranstaltungen für internationale Studierende an um sich zurechtzufinden, darunter ein Empfang im Stockholmer Rådhus und ein Feuerwerkskonzert im schönen Innenhof der Uni. Da alle Neuzugezogenen in der gleichen Situation sind, hat man keine Probleme Freunde zu finden, wodurch einige schöne Freundschaften von Dauer entstanden sind. 
Fachlich war es für mich eine spannende Zeit an der KTH. Aufgrund der Offenheit der Programmkoordinatoren konnte ich als Elektrotechniker meinen Horizont erweitern und Fächer wie Plasmaphysik und Quantenelektronik hören. Im Vergleich zur RWTH sind die Kurse etwas anders gestaltet und haben mehr Fokus auf das eigenständige Erarbeiten von Themen, wodurch ich viel selbstständiger werden konnte. Wegen der kleinen Kursgrößen mit meist zwischen 5-10 Leuten war der Kontakt zu den Lehrern sehr persönlich. Natürlich gab es auch ein paar kleine Enttäuschungen, diese verblassen jedoch vor den interessanten Erfahrungen. Der fachliche Höhepunkt für mich war ein Scientific Computing-Projektkurs, bei dem ich angefangen vom Projektvorschlag bis zur Implementierung eine anspruchsvolle Simulation unter persönlichen Betreuung eines Professors implementieren konnte. 

Alex1

Die Erfahrungen in Schweden wären natürlich nur halb so schön gewesen ohne das Drumherum. Für mich war es eine einmalige Erfahrung, eine Sprache zu lernen und direkt vor der Haustür anwenden zu können. Neben dem Schwedisch-Unterricht haben mir die guten schwedischen Krimi-Serien geholfen sowie das Språkcafé der KTH, bei dem man sich in der Mittagspause zum gemeinsamen Schwedisch-Sprechen trifft. 

Zugegeben, der erste dunkle Winter in Stockholm fiel mir nicht so leicht. Dafür wird man im Sommer umso mehr belohnt, wenn man abends um 22h im Dämmerlicht am Meer spazieren gehen oder sogar noch ein Buch lesen kann. Vad härligt! Die Natur ist selbst in Stockholm immer sehr nah und der nächste kleine Nationalpark durch den hervorragenden Nahverkehr leicht erreichbar. Die ruhige und entspannte Art der Schweden hat mich sehr beeindruckt. Der Höhepunkt im Drumherum war für mich die Nobelpreis-Aftershowparty, die letztes Jahr von der Studentenvereinigung der KTH organisiert wurde und bei dem einige der Nobelpreisträger und schwedische Ehrengäste teilnehmen. Dort war ich Head of Photography, was eine Menge Arbeit bedeutete aber auch eine tolle und intensive Zeit mit vielen Schweden in einem großen Projekt war. Ich kann mir nun sehr gut vorstellen, zum Arbeiten nach Stockholm zurückzukehren. 

Alex2

Da die Lebenskosten teilweise deutlich höher als in Deutschland sind, bin ich der Karl-Schlotmann Stiftung dankbar für die finanzielle Unterstützung, durch die ich die Zeit sorgenfrei und im Vollen genießen konnte. 

Letztendlich hat mir die Auslandserfahrung so viel gegeben, dass es momentan für mich unvorstellbar ist, es nicht gemacht zu haben. 

Alex, studiert Elektrotechnik an der RWTH Aachen